Philosophie und Ursprung von Bushido

Die Bedeutung des Bushido
Bushido ist ein weitgehend ungeschriebener Kodex moralischer Grundsätze, die im alten Japan insbesondere von den Samurai - einer den Rittern Europas ähnlichen Gesellschaftsschicht - gelebt wurden. Urspünglich ist es also die Lebensphilosophie der Samurai im alten Japan. Die Philosophie des Bushido fand Eingang in die Welt ausserhalb Japans vor allem durch des Werk des japanischen Politikers und Wissenschaftlers Inazo Nitobe, der in seinem Werk „Bushido: The Soul of Japan“ die Grundsätze der japanischen Moral darstellt.

Das Wort Bushido setzt sich aus bushi (Krieger) und do (Weg) zusammen und bedeutet "der Weg des Kriegers".

Bushido baut sich im Ursprung auf drei Säulen auf:
- Buddhismus: ein schicksalsbezogener Glaube, der lehrt Ruhe in der Gefahr zu bewahren
- Zen: dient der Stärkung des Geistes durch Konzentration und Meditation
- Shintoismus: die Religion, die die Werte der Samurai beinhaltet

Die 7 Tugenden (Ehrlichkeit, Mut, Mitgefühl, Höflichkeit, Ehrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Loyalität - andere Autoren betonen auch die Aspekte Gerechtigkeit und Güte) gelten in der westlichen Welt als überkommen und altmodisch. In einer Zeit des Wertewandels und des Werte-Verlustes westlicher Kulturen ist Bushido vor allem den Anhängern östlicher Kampfkunst- und Kampfsport-Techniken zu einem Leitfaden für ihr eigenes Handeln geworden.
Bushido ist insofern als die - zumindest aber eine - Philosophie von Kampfsportarten zu verstehen, die uns unter den Bezeichnungen Judo, Ju-Jutsu, Karate, Taekwondo (Tae-Kwon-Do, Taekwon-Do) u.a. gut bekannt sind.

 
 
 

Die sieben Tugenden oder Prinzipien des Bushido

Das erste ist Gi, die Aufrichtigkeit und Rechenschaft
- beschreibt eine durch die Vernunft getroffene Entscheidung.

Das zweite ist Rei, die Höflichkeit und Etikette
- als aufrichtiges Gefühl der Achtung gegenüber anderen. Höflichkeit ist somit keine oberflächliche Floskel, sondern ein realer Ausdruck des Respekts für das jeweilige Gegenüber.

Das dritte, Yu, der Mut
- bedeutet zunächst die richtige Einschätzung einer Situation um dann entsprechend zu handeln.

Das vierte ist Meiyo, die Ehre
- und bedeutet eine Wertschätzung der Pflichten und Privilegien des Samurai. Da die Ehre oder auch der Name des Samurai als unsterblicher Teil der Existenz verstanden wurde, war eine Verletzung der Ehre für den Samurai nicht hinnehmbar (Nitobe, S. 66) und wurde bei Fremdverschulden durch den Tod des Betreffenden, bei Eigenschuld durch rituellen Selbstmord (Seppuku) aus Scham wiederhergestellt.

Das fünfte ist Jin, die Güte, das Mitgefühl und die Menschenliebe
- dies meint das Wohlwollen als universelle Liebe für andere, wie auch das Schöne der Welt die einen umgibt, schätzen zu wissen. Hierzu gehört auch sich mit anderen Künsten zu beschäftigen, welche nicht mit dem Budo verwoben sind.

Das sechse ist Makoto oder Shin, Geistesbildung, Wahrheit und Wahrhaftigkeit
- diese ist eng mit der Höflichkeit verbunden. Lügen galt dem Samurai nach Nitobe nicht als Sünde, sondern wohl noch schlimmer als Schwäche.
Das gesprochene Wort eines Samurai war von solchem Gewicht bezüglich des Wahrheitsgehalts, dass ein schriftlicher Vertragsabschluß mit einem Samurai unüblich war und eine schwerwiegende Beleidigung für die Ehre des betreffenden Bushi darstellte

Das siebte ist Chu, die Treue und Loyalität
- und stellt das Wohlergehen der Gruppe oder Gemeinschaft über den Einzelnen. Da der einzelne Samurai sich als aus dem Staat oder Land hervorgehend sah, wurde der Herr als Repräsentant desselben gesehen und mit unbedingter Treue bedacht (Blomberg, S. 64ff.). Das Leben selbst galt als "günstig" sofern durch seinen Verlust Ehre und Ruhm erlangt werden konnten und der Schlüssel dies zu bewerkstelligen war die Pflicht zur Treue (Nitobe, S. 74).

 
 
 
 

Das Symbol der Kirschblüte
Als Symbol für Bushido gilt die Kirschblüte, denn so wie diese in ihrer schönsten Blüte vom Baum fällt, galt es dem Samurai als erstrebenwert in der Blüte seines Lebens gemäß den Prinzipien von Ehre und Loyalität im Kampfe zu sterben.

Natürlich stellt sich für uns die Frage, inwieweit solche Prinzipien des feudalen Japans heute noch aktuell sind, beziehungsweise Gültigkeit haben können.

Für uns ist dies zum Einen eine Verdeutlichung der Wertigkeit japanischer Kultur und Geschichte in der Ausübung unserer Kampfkunst, zum anderen aber sind es universelle Werte, welche eingepasst in unsere Zeit und Gesellschaft auch noch heute für den Einzelnen ihre Gültigkeit als moralische Leitlinien haben können.

Einige dieser Tugenden sind in verschieden ausgeprägter Weise noch heute in den Regeln und Etiketten traditionsbewusster Kampfkünste vorhanden.

 

 

"Die schönste unter allen Blüten ist die Kirsche. Der edelste unter den Menschen ist der Samurai."
(Japanisches Sprichwort)